Die Geburt eines Kindes ist ein unglaubliches Erlebnis – körperlich, emotional und mental. Doch kaum ist das Baby auf der Welt, wird von Müttern oft erwartet, dass sie schnell wieder „funktionieren“. Viele Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt, den Haushalt zu machen, sich um ältere Geschwister zu kümmern oder sogar bald wieder zu arbeiten. Die Realität ist jedoch: Der Körper braucht Zeit zur Erholung, der Beckenboden muss sich regenerieren, und auch die Seele darf ankommen.
Leider wird das Wochenbett in unserer Gesellschaft kaum noch als echte Schonzeit akzeptiert. Stattdessen wird es oft auf eine „schöne Kuschelzeit“ mit Baby reduziert, in der nebenbei bitte noch alles andere laufen soll. Dabei ist die Erholung nach der Geburt nicht nur ein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Doch viele frischgebackene Mamas machen – oft unbewusst – Fehler, die ihre Rückbildung erschweren und langfristige Beschwerden begünstigen können.
Hier sind die fünf häufigsten Fehler nach der Geburt – und wie du sie vermeiden kannst.
1. Zu schnell wieder „funktionieren“ wollen
Viele Frauen fühlen sich nach der Geburt dazu verpflichtet, schnell wieder in den Alltag einzusteigen. Sei es, weil der Haushalt gemacht werden muss, die Familie versorgt werden will oder weil sie das Gefühl haben, „nicht nur Mama“ sein zu dürfen. Manche wollen auch möglichst schnell wieder mit Sport beginnen oder denken, dass sie sofort „fit“ sein müssen.
Doch der Körper braucht Zeit. Selbst nach einer unkomplizierten Geburt hat der Beckenboden eine immense Belastung hinter sich. Wurde per Kaiserschnitt entbunden, kommt noch eine größere Wunde in der Bauchdecke hinzu, die in Ruhe heilen muss.
Warum ist das problematisch?
- Zu frühe Belastung kann die Rückbildung verzögern.
- Der Beckenboden kann langfristig geschwächt bleiben und Probleme wie Inkontinenz oder eine Senkung begünstigen.
- Auch emotional kann es überfordernd sein, sich keine Pause zu gönnen.
Was hilft?
- Nimm dir bewusst echte Wochenbett-Zeit. Das bedeutet spätestens beim zweiten Kind etwas Planung, aber die ersten sechs Wochen sind für Erholung da.
- Bitte aktiv um Unterstützung – sei es durch den Partner, Familie oder Freunde.
- Erwarte nicht von dir, direkt „die Alte“ zu sein. Dein Körper leistet gerade Großartiges.

2. Den Beckenboden vernachlässigen
Der Beckenboden ist nach der Geburt geschwächt – das gilt für jede Frau, egal ob sie spontan oder per Kaiserschnitt entbunden hat. Viele denken aber erst daran, wenn sich Probleme wie ungewollter Urinverlust oder ein Schweregefühl im Becken zeigen. Dabei ist es wichtig, frühzeitig mit sanften Übungen zu beginnen.
Warum ist das problematisch?
- Ohne gezielte Kräftigung kann es später zu Blasenschwäche oder Organsenkungen kommen.
- Der Beckenboden ist die Basis für eine stabile Körpermitte – auch für spätere sportliche Aktivitäten.
Was hilft?
- Bereits im Wochenbett kannst du mit sanften Atemübungen beginnen.
- Später solltest du gezielt mit Rückbildungsgymnastik starten.
Mein Tipp: Falls du nur wenig Zeit für dich hast, aber trotzdem sanft mit der Rückbildung starten möchtest, schau dir den Online Rückbildungskurs von Mammacita an. Die Einheiten sind kurz und lassen sich einfach in den Mama-Alltag integrieren!
3. Zu wenig Ruhe & keine Unterstützung annehmen
Es ist verständlich, dass du für dein Baby da sein willst – aber du musst nicht alles alleine schaffen! Dein Körper hat gerade ein Baby geboren, und nicht nur dein Kind braucht Fürsorge, sondern auch du. Eine alte Hebammenweisheit sagt: „Mothering the mother“ – die Mutter muss genauso umsorgt werden wie ihr Neugeborenes.
Doch in unserer Gesellschaft gibt es diese Fürsorge oft nicht mehr selbstverständlich.
Warum ist das problematisch?
- Zu viel Stress kann die Wundheilung und Rückbildung verzögern. Dein Körper braucht Ruhe, um sich zu regenerieren.
- Emotionale Erschöpfung kann sich auf deine Stimmung auswirken. Babyblues oder gar eine Wochenbettdepression werden durch Überforderung und Schlafmangel begünstigt.
Was hilft?
- Plane Hilfe frühzeitig: Bitte schon in der Schwangerschaft Familie oder Freunde darum dich im Wochenbett unterstützen – sei es mit Kochen, Wäschewaschen oder einfach mal Zuhören.
- Setze klare Grenzen. Wenn du keinen Besuch möchtest, dann sag das auch. Die ersten Wochen sind für dich und dein Baby da, nicht für Kaffeeklatsch mit Verwandten.
4. Fehlhaltungen beim Stillen & Wickeln
Viele Frauen unterschätzen, wie sehr falsches Sitzen beim Stillen den Rücken belastet. Stundenlanges Stillen in einer krummen Haltung führt oft zu Verspannungen im Nacken, Schulterschmerzen und langfristig sogar zu Rückenschmerzen.
Warum ist das problematisch?
- Eine schlechte Haltung beim Stillen kann langfristig zu Schmerzen und Verspannungen führen.
- Wenn du beim Wickeln ständig gebückt stehst, kann das auch den Beckenboden belasten.
Was hilft?
- Setze dich in einen Armlehnensessel, der nicht zu tief ist, damit du gerade sitzen kannst. Ein kleines Stillkissen (z. B. ein Halbmondkissen) hilft, das Baby auf die richtige Höhe zu bringen. Stelle außerdem einen kleinen Hocker unter deine Füße – das entlastet deinen Rücken.
- Der Wickeltisch sollte mindestens auf Nabelhöhe sein, damit du dich nicht ständig nach vorne beugen musst.

5. Die eigenen Bedürfnisse vergessen – Essen, Trinken, Toilette
Der Alltag mit einem Neugeborenen ist intensiv – du bist ständig mit Füttern, Wickeln und Beruhigen beschäftigt. Viele Mamas nehmen sich dabei selbst völlig zurück und stellen ihre eigenen Bedürfnisse hinten an. Besonders Essen, Trinken und selbst der Gang zur Toilette werden oft aufgeschoben oder vergessen – entweder aus Zeitmangel oder weil sich alles um das Baby dreht.
Warum ist das problematisch?
- Stillen kostet Energie! Dein Körper verbraucht beim Stillen etwa 500 kcal zusätzlich pro Tag – das entspricht einer kleinen Mahlzeit. Isst du zu wenig, kann das nicht nur deine eigene Regeneration, sondern auch deine Milchproduktion beeinflussen.
- Flüssigkeitsmangel kann zu Erschöpfung und Kopfschmerzen führen. Besonders beim Stillen verlierst du viel Flüssigkeit, daher ist regelmäßiges Trinken wichtig.
- Der Beckenboden leidet, wenn du den Toilettengang hinauszögerst. Wer sich keine Zeit nimmt, entspannt auf die Toilette zu gehen, presst oft beim Wasserlassen. Das kann den Beckenboden unnötig belasten und langfristig Probleme wie Blasenschwäche oder eine Senkung begünstigen.
Was hilft?
- Essen und Trinken griffbereit halten. Stell dir Snacks und eine Wasserflasche in Reichweite – am besten dort, wo du stillst oder dein Baby fütterst.
- Den Toilettengang nicht aufschieben. Setze dich bewusst hin, atme tief durch und entspanne – statt schnell und mit Druck zu pinkeln.
Denk daran: Nur wenn du dich gut versorgst, kannst du auch für dein Baby da sein!
Fazit: Erlaube dir Zeit für dich!
Nach der Geburt geht es nicht NUR darum, für dein Baby da zu sein – sondern auch um dich! Dein Körper braucht Zeit zur Heilung, dein Beckenboden und deine Muskulatur müssen sich regenerieren. Das ist kein Luxus, sondern essenziell für deine langfristige Gesundheit.
Du musst nicht sofort wieder „funktionieren“. Höre auf deinen Körper, fordere Unterstützung ein und gönne dir Pausen. Und wenn du etwas für dich tun möchtest, aber wenig Zeit hast, dann starte mit kleinen Schritten – zum Beispiel mit einem Online Rückbildungskurs, den du ganz flexibel in deinen Alltag einbauen kannst.
Über die Autorin:
Julia Ronnenberg ist Hebamme, Beckenbodentrainerin und Sexualberaterin mit über 20 Jahren Erfahrung. Sie begleitet Frauen auf ihrem Weg nach der Geburt und durch hormonelle Veränderungen, indem sie fundiertes Wissen mit praxisnahen Lösungen kombiniert. Ihr Fokus liegt auf digitaler Unterstützung durch Online-Kurse, die Frauen helfen, ihren Körper zu stärken, sich wohlzufühlen und Intimität neu zu entdecken. Zudem teilt sie ihr Fachwissen auf ihrem Hebammenblog unter www.mammacita.de/blog, wo sie wertvolle Tipps rund um Schwangerschaft, Geburt und Rückbildung gibt.
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