Gute-Nacht-Geschichten für Kinder: Warum Vorlesen am Abend so wertvoll ist

Gute-Nacht-Geschichten für Kinder

Wenn der Tag langsam zu Ende geht, beginnt in vielen Familien eine ganz besondere Zeit. Spielsachen werden weggeräumt, die Zähne geputzt und im Kinderzimmer wird es ruhiger. Gerade jetzt können kleine Rituale dabei helfen, vom aufregenden Alltag in die Nacht überzugehen. Eine Gute-Nacht-Geschichte gehört dabei für viele Kinder und Eltern ganz selbstverständlich dazu.

Doch das gemeinsame Vorlesen ist weit mehr als eine Beschäftigung vor dem Einschlafen. Geschichten schaffen Nähe, regen die Fantasie an und geben Eltern und Kindern Gelegenheit, einige ungestörte Minuten miteinander zu verbringen. Entscheidend ist dabei weniger, jeden Abend ein aufwendiges Programm zu gestalten. Viel wichtiger sind Regelmäßigkeit, eine angenehme Atmosphäre und Geschichten, die zum Alter und zu den Interessen des Kindes passen.

Warum Kinder abendliche Rituale mögen

Kinder erleben während eines einzigen Tages unzählige Eindrücke. Kindergarten oder Schule, Freunde, neue Erfahrungen, kleine Konflikte und aufregende Erlebnisse sorgen dafür, dass vor dem Schlafengehen manchmal noch viel im Kopf herumschwirrt.

Ein wiederkehrender Tagesabschluss kann Orientierung geben. Wenn bestimmte Abläufe jeden Abend ähnlich stattfinden, wissen Kinder, was als Nächstes kommt. Das kann zum Beispiel so aussehen:

Abendessen, Waschen oder Baden, Zähneputzen, Schlafanzug anziehen, gemeinsam eine Geschichte auswählen und anschließend das Licht ausschalten.

Es geht dabei nicht darum, einen minutiösen Zeitplan einzuhalten. Vielmehr entsteht durch die Wiederholung ein vertrauter Rahmen. Die Gute-Nacht-Geschichte kann darin zu einem festen Moment werden, auf den sich das Kind freut.

Vorlesen bedeutet gemeinsame Zeit

Im Familienalltag ist echte ungeteilte Aufmerksamkeit manchmal überraschend schwer zu finden. Nachrichten treffen auf dem Smartphone ein, im Haushalt wartet noch Arbeit und für den nächsten Tag muss ebenfalls einiges vorbereitet werden.

Beim Vorlesen lässt sich dieser Alltag für einen Moment ausblenden.

Das Kind hört die vertraute Stimme eines Elternteils oder einer anderen Bezugsperson, betrachtet vielleicht gemeinsam die Bilder und kann Fragen zur Geschichte stellen. Dadurch entsteht ein Moment, in dem es nicht um Termine oder Verpflichtungen geht, sondern ausschließlich um die gemeinsam verbrachte Zeit.

Auch die Stiftung Lesen weist auf die Bedeutung des Vorlesens hin und stellt Familien verschiedene Angebote und Vorlesegeschichten zur Verfügung. Weitere Informationen und Anregungen gibt es beispielsweise beim neutralen Angebot „einfach vorlesen!“ der Stiftung Lesen.

Geschichten öffnen die Tür zur Fantasie

Ein Drache, der Angst vor dem Fliegen hat. Eine kleine Maus, die nachts den Mond besuchen möchte. Ein mutiges Kind, das einen geheimnisvollen Wald entdeckt. Gute Geschichten können innerhalb weniger Sätze eine vollkommen neue Welt entstehen lassen.

Kinder müssen diese Welt nicht fertig präsentiert bekommen. Beim Zuhören entstehen eigene Vorstellungen davon, wie Figuren, Landschaften und fantastische Orte aussehen könnten.

Genau darin liegt eine der besonderen Eigenschaften des Vorlesens: Sprache wird im Kopf zu Bildern.

Das kann gleichzeitig ein schöner Anlass sein, nach dem Lesen miteinander ins Gespräch zu kommen. Eltern können beispielsweise fragen:

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„Was glaubst du, was morgen passiert?“

oder:

„Was hättest du an der Stelle gemacht?“

Solche Gespräche müssen allerdings nicht jeden Abend stattfinden. Manchmal möchte ein Kind einfach nur zuhören – und auch das ist vollkommen in Ordnung.

Welche Gute-Nacht-Geschichte passt zu meinem Kind?

Die eine perfekte Einschlafgeschichte für alle Kinder gibt es nicht. Interessen und Aufmerksamkeitsspannen unterscheiden sich ebenso wie das Alter und der Entwicklungsstand.

Bei jüngeren Kindern dürfen Geschichten kurz und übersichtlich sein. Wiederholungen können sogar ausdrücklich erwünscht sein. Dass Erwachsene eine Geschichte längst auswendig kennen, bedeutet schließlich nicht, dass sie für das Kind langweilig geworden ist.

Mit zunehmendem Alter dürfen Handlungen komplexer werden. Manche Kinder lieben fantastische Welten voller Zauberwesen und Abenteuer, andere hören am liebsten Geschichten über Tiere oder Situationen aus dem normalen Familienalltag.

Eine größere Auswahl hilft dabei, herauszufinden, was gerade gut ankommt. Eltern, die regelmäßig etwas Neues ausprobieren möchten, finden beispielsweise online eine Sammlung kostenloser Gute-Nacht-Geschichten für Kinder bei EmHeMa. Dort stehen unterschiedliche Geschichten zur Auswahl, die sich auch als PDF herunterladen und ausdrucken lassen.

Praktisch ist eine solche Sammlung besonders dann, wenn die bekannten Bücher im Kinderzimmer bereits unzählige Male vorgelesen wurden und etwas Abwechslung gefragt ist.

Muss eine Einschlafgeschichte immer ruhig sein?

Nicht unbedingt. Entscheidend ist vor allem das jeweilige Kind.

Einige Kinder können nach einem aufregenden Abenteuer wunderbar abschalten. Andere beschäftigen sich anschließend noch lange mit Monstern, Drachen oder besonders spannenden Wendungen. Eltern kennen die Reaktionen ihres Kindes normalerweise am besten und können die Auswahl entsprechend anpassen.

Wenn ein Kind ohnehin Schwierigkeiten hat, am Abend zur Ruhe zu kommen, können Geschichten mit einem harmonischen Verlauf eine gute Wahl sein. Sehr dramatische Konflikte oder gruselige Figuren sind dann möglicherweise weniger geeignet.

Auch ein positives und verständliches Ende kann helfen, die Geschichte mit einem guten Gefühl abzuschließen.

Vorlesen ohne Leistungsdruck

Bei all den möglichen positiven Aspekten sollte eines nicht verloren gehen: Vorlesen darf Spaß machen.

Eltern brauchen keine schauspielerische Ausbildung und müssen auch nicht jeder Figur eine perfekte Stimme geben. Versprecher sind ebenso wenig schlimm wie ein Kind, das mitten in der Geschichte Fragen stellt oder plötzlich ausführlich über ein Bild sprechen möchte.

Gerade diese ungeplanten Momente machen gemeinsames Lesen lebendig.

Manchmal reichen fünf oder zehn Minuten. An einem anderen Abend wird vielleicht ein ganzes Kapitel gelesen. Und gelegentlich ist das Kind so müde, dass die Geschichte bereits nach zwei Seiten endet.

Ein Ritual sollte den Familienalltag erleichtern und nicht zu einer weiteren Aufgabe werden, die unbedingt erledigt werden muss.

Was tun, wenn das Kind immer dieselbe Geschichte hören möchte?

Dieses Phänomen kennen viele Eltern. Während Erwachsene nach dem zehnten Durchgang gerne etwas Neues lesen würden, fordert das Kind begeistert wieder dieselbe Geschichte ein.

Das ist zunächst kein Grund zur Sorge.

Bekannte Geschichten haben einen entscheidenden Vorteil: Das Kind weiß bereits, was passieren wird. Figuren und Handlung sind vertraut und Überraschungen bleiben aus. Gerade am Ende eines langen Tages kann genau diese Vertrautheit angenehm sein.

Eltern können deshalb bekannte Lieblingsgeschichten mit neuen Erzählungen abwechseln. Beispielsweise darf das Kind an einem Abend auswählen, während am nächsten Abend eine neue Geschichte ausprobiert wird.

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So bleiben vertraute Rituale erhalten und gleichzeitig kommen regelmäßig neue Figuren und Geschichten hinzu.

Geschichten gemeinsam weitererzählen

Nicht immer muss eine Geschichte vollständig aus einem Buch stammen. Besonders mit etwas älteren Kindern kann es Spaß machen, eine Handlung gemeinsam weiterzuentwickeln.

Vielleicht darf das Kind entscheiden, wohin der Held als Nächstes reist. Oder eine bekannte Figur erlebt plötzlich ein völlig neues Abenteuer.

Eine einfache Möglichkeit besteht darin, drei Dinge auszuwählen:

  • eine Hauptfigur,
  • einen besonderen Ort,
  • eine kleine Aufgabe oder ein Problem.

Aus „Pinguin“, „Zauberwald“ und „verlorener Schlüssel“ entsteht schnell eine ganz neue Geschichte.

Eltern müssen daraus keinen literarischen Klassiker machen. Gerade improvisierte Geschichten dürfen lustig, verrückt und manchmal vollkommen unlogisch sein.

Digitale Geschichten oder klassisches Kinderbuch?

Auch hier muss es kein Entweder-oder geben.

Gedruckte Bücher haben ihren eigenen Reiz. Kinder können Seiten umblättern, Illustrationen betrachten und sich ihre Lieblingsbücher selbst aus dem Regal holen. Digitale Angebote wiederum ermöglichen eine sehr große Auswahl und sind praktisch, wenn spontan eine neue Geschichte gesucht wird.

Eine interessante Zwischenlösung sind Geschichten, die online gefunden und anschließend als PDF ausgedruckt werden können. So lässt sich die Auswahl digital treffen, während beim eigentlichen Vorlesen kein Bildschirm notwendig ist.

Welche Variante am besten funktioniert, hängt letztlich von den Gewohnheiten der Familie ab.

Eine kleine Routine für entspannte Vorleseabende

Wer das Vorlesen neu in den Familienalltag integrieren möchte, muss daraus kein kompliziertes Ritual machen. Ein einfacher Ablauf reicht vollkommen:

  1. Das Kind darf eine Geschichte auswählen.
  2. Smartphone und andere Ablenkungen werden für einige Minuten beiseitegelegt.
  3. Gemeinsam wird ein gemütlicher Platz gesucht.
  4. Die Geschichte wird ohne Zeitdruck vorgelesen.
  5. Anschließend kann kurz über das Erlebte gesprochen werden.
  6. Ein vertrauter Gute-Nacht-Satz oder ein kleines Lied beendet das Ritual.

Wichtiger als die genaue Länge ist die Regelmäßigkeit. Aus wenigen Minuten kann mit der Zeit ein fester Bestandteil des Tages werden.

Wenn aus Geschichten Erinnerungen werden

Kinder erinnern sich später wahrscheinlich nicht an jede einzelne Geschichte, die ihnen vorgelesen wurde. Sehr wohl können jedoch Erinnerungen an die Situation bleiben: an die Stimme von Mama oder Papa, an das gemeinsame Kuscheln und an das Gefühl, dass sich am Ende des Tages jemand Zeit genommen hat.

Genau deshalb braucht eine gute Vorleseroutine weder besonders teure Bücher noch komplizierte Regeln.

Eine passende Geschichte, etwas Ruhe und gemeinsame Aufmerksamkeit reichen häufig bereits aus.

Und vielleicht wird aus dem Satz „Nur noch eine Geschichte!“ irgendwann eine jener Kindheitserinnerungen, an die sich nicht nur die Kinder gerne zurückerinnern.

Redaktion